Arbeitest Du noch am Problem oder suchst Du schon die Lösung?

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Ein Unternehmen hat seine Spitzenleute auf ein teures Seminar geschickt. Sie sollen lernen, auch in einer ungewohnten Situation Lösungen zu erarbeiten, rasch und zielgerichtet zu entscheiden.

Am zweiten Tag wird einer Gruppe von Managern die Aufgabe gestellt, die Höhe einer Fahnenstange zu messen. Sie gehen hinaus auf den Rasen, beschaffen sich eine Leiter und ein Bandmass. Die Leiter ist aber zu kurz. Also holen sie noch einen Tisch, auf den sie die Leiter stellen. Es reicht immer noch nicht.

Sie stellen noch einen Stuhl auf den Tisch. Da das alles sehr wackelig ist, fällt der ganze Aufbau immer wieder um. Alle reden gleichzeitig. Jeder hat andere Vorschläge zur Lösung des Problems. Es ist ein heilloses Durcheinander.

Ein Ingenieur kommt vorbei, sieht sich das Treiben ein paar Minuten lang an. Dann zieht er wortlos die Fahnenstange aus dem Boden, legt sie hin, nimmt das Bandmass und misst die Stange von einem Ende zum anderen. Er schreibt das Ergebnis auf einen Zettel und drückt ihn zusammen mit dem Bandmass einem der Manager in die Hand. Dann geht er wieder seines Weges.

Kaum ist er um die Ecke, sagt einer der Top-Manager: “Das war wieder typisch Ingenieur! Wir müssen die Höhe der Stange wissen und er sagt uns die Länge! Deshalb lassen wir diese Leute auch nie in den Vorstand”.

Verfasser unbekannt

Die Einstellung zum Problem ist die halbe Lösung

Was hier witzig klingt, ist oft Realität: In Lösungen denken bleibt verkapptes Problemdenken. Immer wieder erlebe ich es bei Kunden: Sie sind überzeugt, dass sie lösungsorientiert und kreativ an Problemsituationen herangehen. Oft ist es aber so, dass sie entweder das Problem nicht sehen (wollen) oder glauben, dass sie das so hinnehmen müssen. Bewusst oder unbewusst bleiben sie am Problem hängen, als sich mit der Lösung zu beschäftigen.

Zitat Einstein_Probleme lösen

Probleme schaffen neue Möglichkeiten und Chancen.

Ich bin überzeugt, dass jedes Problem Entwicklungspotential mit sich bringt. Voraussetzung: Du siehst das Problem als solches und nutzt passende Methoden, um das Problem zu lösen.

Der erste Schritt zur Lösung: Erkenne und definiere das Problem.

In Lösungen denken lässt sich trainieren

Hast Du das Problem und auch dessen Ursachen und Symptome analysiert, dann gehst Du in den Lösungsprozess. Dabei ist es wichtig, die eigenen Denkmuster und gewohnten Blickwinkel zu verlassen. Das ist nicht immer leicht, lässt sich aber trainieren.
Für lösungsorientiertes Denken ist das 9-Punkte-Problem eine gute Übung. Probiere es aus.

Das 9 Punkte Problem

Das 9 Punkte Problem kommt aus dem Bereich des praktischen Problemlösens der Denkpsychologie.
Das Ziel: Verbinde die 9 quadratisch angeordneten Punkt mit vier oder weniger geraden Linien.
Achtung! Setze den Stift dabei nicht ab und durchkreuze auch keinen Punkt doppelt.

9 Punkte Problem

Die Klärung des Ziels ist im Übrigen immer der nächste Schritt, nachdem Du das Problem erfasst hast. Nützliche Fragen sind:

  • Was willst Du erreichen, wie soll die Lösung aussehen?
  • Was soll statt des Problems da sein?
  • Woran merkst Du, dass das Problem gelöst ist?

Problemdenken vs. Lösungsdenken: Think outside the box

Einige geben genervt auf und tottern gleich los: “Das funktioniert nicht.” “Das ist unlogisch.” “Du hast die Aufgabe falsch gestellt.”
Andere brauchen sehr lange, um die Lösung zu finden. 

Woran liegt das?
Sie schränken den Lösungsraum ein. Wir denken meistens in einem vorgegebenen Rahmen. Das Umfeld oder System, in dem wir uns bewegen prägt dieses Denken. Es tickt ähnlich. Dadurch entwickelt sich eine Überzeugung und eine Denkrichtung durch die wir die Lösung für eine unbekannte, neue Situation nicht sehen. Das Neue fällt aus dem Rahmen. Das Gewohnte funktioniert nicht mehr. 
Diese Annahmen und Überzeugungen blockieren Dich, in andere Richtungen zu denken, um ein Problem zu lösen.

Bei dem 9 Punkte Problem bremsen sich viele, weil sie eine Grenze um das Quadrat ziehen.

lösungsdenken_out side the box

Denkst Du in Problemen, dann fokussierst Du Dich darauf, was falsch ist, was nicht funktioniert und wer schuld hat. Meistens betrachtest Du eher das, was in der Vergangenheit nützlich war. Du siehst als erstes Hindernisse. Denkst Du an die Zukunft dann fallen Dir auch dort erst die Hürden auf. Du kannst es weiter mit gewohnten Methoden versuchen, doch das wird Dich nicht weiterbringen. Das bremst Dich.

Wenn etwas nicht funktioniert, dann mache etwas anderes.

Lösungen brauchen andere Perspektiven

Willst Du Lösungen entwickeln, dann denke in Lösungen. Nächster, wichtiger Schritt: Werde Dir Deiner blinden Flecken und Grundannahmen bewusst. Hinterfrage, was Du denkst:

  • Woher weißt Du das?
  • Ist das bewiesen?
  • Was wäre, wenn das nicht stimmen würde?
  • Unter welchen Umständen ist das nicht der Fall?

Lassen Deine Gedanken wirken

Als Kind habe ich mit meiner Oma gepuzzelt. Sie hatte die 5000er Puzzle. Manchmal brütete ich stundenlang davor bis ich irgendwann gedanklich zu tief drin. Meine Oma sagte dann oft: Du siehst jetzt nichts mehr. Lass das mal ruhen. Recht hatte sie: Dein Blickfeld ist eingeschränkt. Schnell drehst Du die gleichen Schleifen und siehst kaum noch Zusammenhänge. Gib Deinem Kopf Ruhe und Abstand zur Sache. Mit frischen Gedanken geht es leichter.

In Lösungen denken mit den richtigen Fragen

Lösungsorientiert zu denken, heißt nicht, dass Du Probleme weg redest oder ignorierst. Du fokussierst Dich auf den Weg und bleibst offen für andere Möglichkeiten, trotz aller Hindernisse. Nützliche Fragen können sein:

  • Wie könnte es noch funktionieren?
  • Was bräuchte eine Lösung noch?
  • Was kannst Du in dem Kontext ersetzen/vergrößern/verkleinern/kombinieren/umkehren/neu anordnen?

Dabei verlässt Du Deine gewohnten Wege, denkst um die Ecke und wirst kreativ. Selbst, wenn Dir eine Idee absurd erscheint, schreibe sie auf. Spiele sie durch. Probiere es aus.

Die Lösung für das 9 Punkte Problem findest Du nur, wenn Du gedanklich das “Quadrat” verlässt. Anders ist es nicht möglich. 

9 punkte Problem Lösung

Rücke die Fakten in einen neuen Kontext. 

Bei meinem 5000er Puzzle glich ein Teil dem anderen.
Oma gab mir dann immer den Tipp: Schalte das Licht ein. Betrachte die Teile von einer anderen Seite des Tisches. Du wirst sehen, plötzlich springen Dir gleich mehrere passende Puzzleteile entgegen. Unfassbar. Stundenlang war kein richtiges Teil zu finden und jetzt das. Sie war ein Genie 😉

Die gleichen Fakten in einem anderen Kontext ergeben ein ganz anderes Bild; ganz neue Möglichkeiten. Indem Du die Blickrichtung änderst, wie auch in der Geschichte am Anfang, kommst Du auf neue Möglichkeiten. Ich spreche auch gern von der Adlerperspektive: Betrachte die Situation, das Problem, von oben bzw. außen. Die Distanz hat den entscheidenden Vorteil, dass Du mehr siehst.

  • Welche anderen Themengebiete und Fachbereiche können nützlich sein?
  • Wo hast Du etwas Ähnliches gesehen oder erlebt und was kannst Du davon für Dich nutzen?
  • Was verändert sich, wenn Du in anderen Dimensionen denkst, wie die Breite, Tiefe und Höhe?
  • Was würdest Du einem Freund/Freundin mit diesem Problem raten?

Hängst Du das nächste Mal fest, dann prüfe, ob Du Dich im Problemdenken verrannt hast. Dann ändere die Denkrichtung. Rücke die Fakten in ein anderes Licht. Fokussiere Dein Ziel. Experimentiere und teste die möglichen Schritte.

Letzte Aktualiserung: Juli 2019
Quellen Fotos: Anke Lambrecht

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